DFF Wadersloh

Deutsch-Französischer Freundeskreis Wadersloh e.V.

Grußworte Christian Tegelnkamp

Festakt Partnerschaftsjubiläum Néris-les-Bains

Samstag, 30. September 2017

Rede von Bürgermeister Christian Thegelkamp, Wadersloh

Sehr geehrter Herr Chapy, lieber Alain, verehrte Festgäste aus Néris-les-Bains, liebe Freundinnen und Freunde aus Marcillat-en-Combraille und aus Faulungen, meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich gemeinsam mit meiner Frau Kerstin sehr, heute zu diesem schönen Anlass bei Ihnen zu sein. Auch im Namen der gesamten Delegation und der Gemeinde Wadersloh danke ich Ihnen herzlich für Ihre Einladung und für diesen Abend.

Am 15. Juni 1997 wurde die Verbindung zwischen Néris-les-Bains und Wadersloh offiziell besiegelt. Die Pläne hierzu gab es schon länger. Schließlich fand bereits seit 1985 ein regelmäßiger Schüleraustausch des hiesigen Collège mit dem Gymnasium Johanneum in Wadersloh statt. Wie so oft bedurfte es aber auch in diesem Falle einer Kombination der richtigen Personen, die zur richtigen Zeit zusammentrafen.

Die deutsch-französische Freundschaft ist darüber hinaus in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder von großen Persönlichkeiten gekennzeichnet gewesen, die unsere so wichtige grenzüberschreitende Völkerverständigung mit Leben gefüllt haben.

Grundlage dazu war vor rund 55 Jahren der deutsch-französische Freundschafts­vertrag, der am 22. Januar 1963 vom französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle und von Bundeskanzler Konrad Adenauer unterzeichnet wurde. Die Hoffnungen und Erwartungen, die mit diesem Vertrag verbunden wurden, haben sich – und darauf dürfen wir gemeinsam stolz sein – in vielem erfüllt. Seitdem gab und gibt es immer wieder über Parteigrenzen hinweg eine enge Kooperation unserer Länder, durch die unsere Freundschaft weiter gestärkt und auch vertieft wird.

Vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Geschichte von Kriegen, Unrecht und Trauer wird deutlich, was wir überwunden haben und wie weit wir seitdem gekommen sind. Europa hat aus der Geschichte gelernt. Wir Europäer haben es geschafft, nach Jahrzehnten der Konfrontation in heißen, wie kalten Kriegen Versöhnung und Einigung zu erzielen.

In Deutschland sind wir uns dabei im Besonderen unserer historischen Verantwortung bewusst. Wir sind dankbar, dass wir heute Teil eines friedlichen Europas sind. Im Zuge dieses Zusammenwachsens entstanden immer wieder besondere Symbole einer neuen Freundschaft, bei denen das Grauen der Kriege im Kontrast zur heutigen sehr wohltuenden Verbrüderung steht:

  • Am 22. September 1984 reichen sich Helmut Kohl und François Mitterrand in der Nähe von Verdun die Hand anlässlich einer großen Zeremonie zur Erinnerung an die Opfer der Kriege zwischen Frankreich und Deutschland.
  • Am 6. Juni 2004 umarmen sich Gerhard Schröder und Jacques Chirac am 60. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie, bei dem zum ersten Mal ein deutscher Kanzler eingeladen ist.

Diese uns allen unvergesslichen Beispiele zeigen mehr als deutlich, dass die europäische Idee intensiv lebt und dass sie uns heute noch bewegt.

Natürlich haben wir auch Probleme, doch die europäische Union entfaltet Wirkung. Sie ist lebendig, weil sie nicht nur von Politikerinnen und Politikern, sondern von den Bürgern und Bürgerinnen getragen wird. Daran haben Partnerschaften wie die unsere einen sehr großen Anteil, denn die Bewegung muss „von unten“ kommen, wenn etwas Dauerhaftes bewirkt werden soll.

Ich bin darum froh, dass es immer wieder auf beiden Seiten Persönlichkeiten gibt, die sich für unsere Verbindung einsetzen und die dies auch öffentlich bezeugen, denn der 20. Jahrestag unserer Jumelage fällt in ein Jahr, in dem es wieder mehr Menschen gibt, die die europäische Einigung auch kritisch sehen.

Die diesjährigen Wahlen in Deutschland und Frankreich haben erneut gezeigt, dass ein geeintes Europa noch immer absolut keine Selbstverständlichkeit ist. Wir haben deshalb die Verantwortung, weiter gemeinsam daran zu arbeiten. Wir müssen das auch weiterhin zu unserer gemeinsamen Sache machen.

Gleichzeitig zeigt unsere Jumelage aber auch sehr deutlich, wie fest unsere Freundschaft verwurzelt ist. Wir sind Teil eines gewachsenen Bündnisses, das mehr beinhaltet als gute Worte oder offizielle Festakte. Die Partnerschaft zwischen unseren Orten Néris-les-Bains und Wadersloh basiert auf einem regelmäßigen Austausch mit einer Fülle von Aktivitäten wie die Bürgerbusfahrten oder gegenseitige Besuche. Jüngstes Beispiel ist die DFF-Jugendfahrt, die viele Jugendliche aus der Gemeinde Wadersloh vom 22. bis 29. Oktober 2017 u.a. auch hierher führen wird.

Dank dieser vielfältigen Kontakte haben wir, und unsere Bürgerinnen und Bürger, ein neues Bild voneinander gewonnen und Verständnis füreinander entwickelt. Wir haben einen Weg gefunden, die Menschen zusammenzubringen und gemeinsam zu handeln. Ich bin deshalb davon überzeugt, dass unsere Verbindung stark genug ist, damit auch kurzfristige politische Verwerfungen ihr nichts anhaben. Wir müssen nur fest zusammenstehen und uns keine falschen Wahrheiten zu eigen machen, denn wir haben auch eine gemeinsame Geschichte. Aus früheren Feinden sind seit langem Partner in allen möglichen Bereichen des sozialen Lebens, der Wirtschaft oder auch der Verteidigung geworden. Aus Partnern sind auch Freunde geworden, weil es immer wieder Personen gibt, die sich dafür einsetzen.

Ein vorbildliches Beispiel für diesen nachhaltigen Einsatz war Ihr früherer Bürgermeister, Jean-Claude De Pin, der ja vor einigen Monaten überraschend verstorben ist. Er war einer der Initiatoren unseres Bündnisses und auch Unterzeichner der Partnerschaftsurkunde. Ich habe Jean Claude als echten Europäer kennengelernt, für den die Völkerverständigung keine leere Floskel sondern gelebte Idee und Lebensinhalt für das Wohl der Menschen in seiner und in unserer Gemeinde war. Ich werde mich immer liebevoll an ihn erinnern.

Und auch Herr Herbert Gövert ist da, der als mein Vorvorgänger die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet hat und der die Verständigung immer beförderte. Lieber Herbert: Schön, dass Du Dir die Zeit genommen hast, hier und heute mit dabei zu sein.

Und auch Altbürgermeister Paul Grothues, der sich krankheitsbedingt heute entschuldigen lässt, wird gewiss in Gedanken bei uns sein, ich bin absolut sicher.

Bei aller Trauer über den Verlust von Jean Claude De Pin und natürlich auch von „Madame Jumelage“ Jacqueline Murat bin ich aber auch froh, dass es weiterhin viele Menschen gibt, die sich für unsere gute Sache einsetzen, so wie wir es heute sehen und erleben dürfen.

Sehr geehrter Herr Kollege Chapy, lieber Alain: Die Zukunft gehört uns und unseren Gemeinden gemeinsam und so freue ich mich, dass die Beziehung zwischen unseren Gemeinden auch für die Zukunft von unserer vertrauensvollen Zusammenarbeit geprägt sein wird.

Nicht zuletzt zeigt die Gastfreundschaft, die wir hier in diesen Tagen aufs Neue erleben, dass unsere Partnerschaft Dir und Euch ebenso wichtig ist, wie mir und uns. Ich danke Dir deshalb herzlich für die große Freude, die Du uns hier wieder einmal bereitest.

Ich danke an dieser Stelle aber ebenso allen Bürgerinnen und Bürgern unserer Gemeinden, die sich als Funktionsträger oder auch nur als „einfache“ Bürger für unsere Partnerschaft einsetzen. Dazu gehören natürlich auch die Partnerschaftsvereine ACW und DFF, die bei diesem – ebenso wie bei den früheren – Zusammentreffen aktiv dazu beitragen, unseren Bürgerinnen und Bürgern die europäische Einigung nahe zu bringen.

Sehr geehrte Frau Barraux, liebe Marie-Alice,
sehr geehrte Frau Murat, liebe Liliane,
sehr geehrter Herr Müller, lieber Frank

gemeinsam machen Sie mit Ihrer Arbeit unser Bündnis tatsächlich für alle erlebbar. Für Ihren anhaltenden Einsatz für die deutsch-französische Freundschaft danke ich Ihnen heute darum sehr herzlich.

Machen Sie motiviert weiter so. Unsere Bürgerinnen und Bürger danken es Ihnen. Europa dankt es Ihnen, denn Treffen wie diese zeigen uns, dass wir einander besser verstehen, wenn wir uns auf neue Menschen und Kulturen einlassen und wenn wir unseren Geist öffnen.

Aus Interesse und Verständnis erwachsen dann Weltoffenheit und Toleranz, die wiederum für ein friedliches Zusammenleben unerlässlich sind. Auf diese Weise wächst die nächste Generation mit einer Vorstellung eines geeinten Europas auf und bildet so die Zukunft unserer Beziehung. Auf diesem Fundament führen wir unsere Beziehung auch weiterhin erfolgreich weiter.

Liebe Freunde aus Néris-les-Bains, die Möglichkeiten unseres gemeinsamen Wirkens sind noch längst nicht ausgeschöpft. Unsere Partnerschaft blickt heute nicht nur auf eine erfolgreiche 20-jährige Geschichte zurück, sondern sie blickt auch in eine viel versprechende Zukunft. Wir müssen es nur wollen und es muss uns nur wichtig sein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und allen Beteiligten auch künftig alles Gute und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Hoch lebe Deutschland – hoch lebe Frankreich – hoch lebe die deutsch-französische Freundschaft.

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